{"id":31,"date":"2010-07-02T15:09:45","date_gmt":"2010-07-02T13:09:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dorothee-elisabeth-tretschlaff.de\/?page_id=31"},"modified":"2020-11-18T17:30:29","modified_gmt":"2020-11-18T16:30:29","slug":"dorothees-geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.dorothee-elisabeth-tretschlaff.de\/?page_id=31","title":{"rendered":"Der historische Fall Tretschlaff"},"content":{"rendered":"<p><em><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-420 size-full\" title=\"Magd_Monatsblatt_luyken\" src=\"https:\/\/www.dorothee-elisabeth-tretschlaff.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Magd_Monatsblatt_luyken.jpg\" alt=\"\" width=\"810\" height=\"1134\" srcset=\"https:\/\/www.dorothee-elisabeth-tretschlaff.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Magd_Monatsblatt_luyken.jpg 810w, https:\/\/www.dorothee-elisabeth-tretschlaff.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Magd_Monatsblatt_luyken-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.dorothee-elisabeth-tretschlaff.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Magd_Monatsblatt_luyken-731x1024.jpg 731w\" sizes=\"auto, (max-width: 810px) 100vw, 810px\" \/><\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Bild einer Magd, um 1700, von Caspar Luyken<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Die gerade f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Magd Dorothee Elisabeth Tretschlaff wurde 1701 als Hexe verurteilt und in Fergitz in der Uckermark am 17. Februar mit dem Schwert hingerichtet.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Eines der traurigsten Kapitel der Hexenverfolgungen entfaltet sich mit den Kinderhexenprozessen, die im Verlauf des 17. Jahrhunderts deutlich zunahmen. Kinderhexenprozesse richteten sich manchmal gegen die Kinder von bereits als Hexen und Zauberer verurteilten Erwachsenen, manchmal gegen Angeh\u00f6rige von ganzen Kinder- und Gaunerbanden, manchmal gar gegen Kinder und Jugendliche die sich selbst wegen Hexerei bezichtigten. W\u00e4hrend in der Fr\u00fchphase der Hexenverfolgung Kinder und Jugendliche oft glimpflich davon kamen, wurden nach und nach selbst Todesurteile \u2013 meist in Form der Gnadenstrafe Enthauptung \u2013 \u00fcblicher. (&#8230;) Welche Steuerungsmechanismen sich hinter den einzelnen Prozessen verbargen, bleibt meist kaum rekonstruierbar.<\/p>\n<p>Im Fall von Dorothee Elisabeth Tretschlaff sind bisher keine Prozessakten auffindbar, sondern lediglich ein Bericht des Hof- und Landrichters der Uckermark Thomas B\u00f6ttcher, der \u00fcber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des angestrengten Prozesses sowie die \u00fcbereilten Hinrichtung urteilte.<br \/>\nDazu war er bereits wenige Tage nach der Enthauptung Dorothee Elisabeth Tretschlaffs durch die Berliner Regierung aufgefordert worden. Allein diese Tatsache zeigt, dass die schnelle Hinrichtung wegen Hexerei am 17. Februar 1701 l\u00e4ngst kein unbestrittener Vorgang mehr war. Nicht nur die Landesregierung schenkte der Hinrichtung Aufmerksamkeit, auch in den Gasth\u00e4usern und Kr\u00fcgen wurde \u00f6ffentlich \u00fcber den Prozess und das Urteil diskutiert.<\/p>\n<p>Thomas B\u00f6ttcher kritisierte denn auch das Verfahren, da er in der Jugendlichen viel weniger eine gef\u00e4hrliche Hexe als eine melancholische, selbstmordgef\u00e4hrdete junge Frau erblickte, deren M\u00f6glichkeiten zur Verteidigung gegen den Hexenprozess nicht gen\u00fcgend ber\u00fccksichtigt worden waren. Allerdings konnten sich die Verantwortlichen des Verfahrens, der Inhaber der Jurisdiktion Obristleutnant von M\u00fcnchow sowie der von ihm beauftragte Richter und Fiskal Friedrich Roth, von jedem Verdacht eines regelwidrigen Verfahrens reinigen.<\/p>\n<p>In ganz typischer Weise zeigen die wenigen \u00fcberlieferten Details den Charakter eines sp\u00e4ten Hexenprozesses. Waren im 16. und fr\u00fchen 17. Jahrhundert zahllose Alltagskonflikte und Schadenszaubertaten f\u00fcr die Hexenprozesse konstitutiv, so blieb der Schadenszauber im Prozess gegen Dorothee Elisabeth Tretschlaff v\u00f6llig unwichtig. Der Teufel brachte ihr zwar Geld und einen K\u00fcrbis zu, eine Sch\u00e4digung anderer war damit jedoch nicht direkt verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Stattdessen dominierten Schilderungen rund um die Buhlschaft mit dem Teufel oder d\u00e4monische Erscheinungen, die die Realit\u00e4t des Teufelspaktes zu bekr\u00e4ftigen scheinen. Das M\u00e4dchen berichtete wie der Teufel sie mit viel Geld in den Taschen immer wieder aufsuchte und verf\u00fchrte, ihr etwas davon schenkte, ihr bei helllichtem Tage im Beisein anderer beim Fliederpfl\u00fccken auf der Geige vorspielte. Zur Buhlschaft kam es, als sie gemeinsam mit anderen M\u00e4gden krank zu Bett lag. Ganz den theologischen Vorstellungen vom zeugungsunf\u00e4higen Teufel entsprechend, floss dabei allerdings kein Samen. Diese M\u00e4gde berichteten von einem merkw\u00fcrdigen Hasen unter dem Bett der Angeklagten, vom Teufel in Gestalt einer Schmei\u00dffliege, der brummend durchs n\u00e4chtliche Zimmer flog und einem Gespenst.<\/p>\n<p>Immerhin gab es innerhalb des Verfahrens Versuche, die Realit\u00e4t dieser Aussagen zu pr\u00fcfen. So erz\u00e4hlte das M\u00e4dchen, sie habe eine vom Teufel erhaltene M\u00fcnze in der Wand des alten Wohnhauses versteckt. Das Gericht konnte dieses Geld jedoch nicht finden.<br \/>\nOb sich mit diesen Aussagen in codierter Form Bez\u00fcge zum Alltag und zum Erleben Dorothee Elisabeth Tretschlaffs finden lassen oder ob sie lediglich das verworrene Ergebnis einer rigiden Verh\u00f6rssituation sind, bleibt angesichts der wenigen Details g\u00e4nzlich offen. Der Landrichter Thomas B\u00f6ttcher stellte nicht nur die Melancholie des M\u00e4dchens heraus, sondern ebenso ihre Einsamkeit und ihre Verzweiflung. Es gibt eine Reihe von F\u00e4llen, in denen genau aus solchen Gr\u00fcnden heraus Selbstbezichtigungen<br \/>\nerfolgten. Die Hintergr\u00fcnde dieses Verhaltens hat Dorothee Elisabeth Tretschlaff jedoch wohl mit in ihr Grab genommen.<\/p>\n<h4><\/h4>\n<h5>Dr. Katrin Moeller<\/h5>\n<p>Professur f\u00fcr Wirtschafts- und Sozialgeschichte Historisches Datenzentrum Sachsen-Anhalt, Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg,\u00a0Dissertation zur Hexenverfolgung im Mecklenburg der Fr\u00fchen Neuzeit\u00a0 2000\/2001 Konzeption einer Ausstellung zur Hexenverfolgung im Fachmuseum Hexereigeschichte Penzlin; Redakteurin des Fachportals\u201eHexenforschung\u201c, Mitbegr\u00fcnderin des Arbeitskreises f\u00fcr Norddeutsche Hexen- und Kriminalit\u00e4tsforschung<\/p>\n<p>siehe auch Dorothee Elisabeth Tretschlaff bei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dorothee_Elisabeth_Tretschlaff\">Wikipedia<\/a><br \/>\nund: <a href=\"http:\/\/www.dorothee-elisabeth-tretschlaff.de\/?p=641\">\u201cVom Kurf\u00fcrsten zum K\u00f6nig. Friedrich III.\/I. von Brandenburg-Preu\u00dfen und die Rechtsprechung um 1700\u2033<\/a> von Dr. Vinzenz Czech<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild einer Magd, um 1700, von Caspar Luyken Die gerade f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Magd Dorothee Elisabeth Tretschlaff wurde 1701 als Hexe verurteilt und in Fergitz in der Uckermark am 17. Februar mit dem Schwert hingerichtet. Eines der traurigsten Kapitel der Hexenverfolgungen entfaltet sich mit den Kinderhexenprozessen, die im Verlauf des 17. Jahrhunderts deutlich zunahmen. 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