{"id":583,"date":"2010-09-15T06:03:04","date_gmt":"2010-09-15T06:03:04","guid":{"rendered":"http:\/\/dorothee-elisabeth-tretschlaff.de\/?p=583"},"modified":"2020-11-18T18:03:56","modified_gmt":"2020-11-18T17:03:56","slug":"heute-im-dominikanerkloster-gerhard-kohn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dorothee-elisabeth-tretschlaff.de\/?p=583","title":{"rendered":"Gerhard Kohn: \u201eHexenverfolgung in und um Prenzlau\u201c"},"content":{"rendered":"<h5>3. Vortrag Dominikanerkloster: Mittwoch, 15.09., 19:00, Gerhard Kohn, Prenzlau<\/h5>\n<p>Gerhard Kohn ist als Mitarbeiter des Museums ganz dicht an Quellen und auf den Spuren der Vergangenheit \u2013 er kennt die Orte, an denen die traurigen Schicksale so vieler M\u00e4nner und Frauen in Prenzlau ihren Lauf nahmen. In seinem Vortrag, der mit Namen von Opfern und Schaupl\u00e4tzen in Prenzlau gespickt war, wurde deutlich, dass auch hier etliche Hexenprozesse ihren unheilvollen Lauf nahmen. Gleich zu Beginn wies Kohn aber ausdr\u00fccklich darauf hin, dass bis jetzt keine Prim\u00e4rquellen zu diesen Vorg\u00e4ngen vorl\u00e4gen \u2013 er hat seine Informationen aus Sekund\u00e4rquellen, wie den tagebuchartigen Aufzeichnungen des Pfarrers S\u00fchring, der in Prenzlau von 1654 -1663 wirkte und Geschehnisse in der Stadt verfolgte und niederschrieb.<\/p>\n<p>Gleichwohl f\u00fchrte Kohn etliche zum Teil ausf\u00fchrlich beschriebene F\u00e4lle von Anzeigen und Prozessen wegen Buhlerei mit dem Teufel, <!--more-->Verzauberung von Mitb\u00fcrgern, wegen Zauberei unter Mitwirkung des Teufels erhaltene G\u00fcter und\/oder Nahrungsmittel auf. So wird im Jahre 1616 Gerde Mahnkopf von einer Mutter, die ihren gerade geborenen Sohn wohl durch pl\u00f6tzlichen Kindstod verliert, angezeigt mittels Hexerei den Tod des S\u00e4uglings herbeigef\u00fchrt zu haben. Wie es schon Hegeler in seinem Vortrag beschrieb, f\u00fchrten die in der Folter von Mahnkopf abgepressten Nennungen weiterer vermeintlicher Hexen zu einer Verhaftungs-, Folterungs- und Verurteilungswelle in den folgenden Monaten. Bereits 1581 hatte sich die vermeintliche Hexe Frau Bayer (die im Zuge der Folterungen von einer anderen bereits angezeigten Frau als solche &#8222;verraten&#8220; wurde) mit dem Messer einer weiteren Gefangenen im Gef\u00e4ngnisturm (dem heutigen Hexenturm) selbst gerichtet, um der bevorstehenden &#8222;peinlichen Befragung&#8220;, also der Folter zu entgehen.<\/p>\n<p>Die Folter wird in Kohns Unterlagen zumeist mit Streckbank, Schl\u00e4gen oder Verbrennen sensibler K\u00f6perbereiche, wie Achselh\u00f6hlen, beschrieben. Etliche Opfer starben durch die Folter, einige \u00fcberleben Torturen, die sich teilweise \u00fcber Jahre erstreckten. So \u00fcbersteht eine angeklagte Frau aus Jagow 3 Jahre Haft ohne zu gestehen, wird anschlie\u00dfend f\u00fcr zwei weitere Jahre eingekerkert und schlie\u00dflich, nach Einholung eines Gutachtens bei der Universit\u00e4t Frankfurt Oder, des Landes verwiesen. Viele Opfer gestehen und widerrufen, werden wieder gefoltert, gestehen und widerufen erneut. Kohn beschreibt Prozesse, die von der B\u00fcrgerschaft und solche, die vom Adel gef\u00fchrt werden. Namen der Opfer sind unter anderem die &#8222;Spudhingsche&#8220; (1552), Ursula (1572), die &#8222;Ohmsche&#8220; (1581), Gertrude Zimmermann (1598), aber auch ein Adliger, Adam von Linstedt aus <a href=\"http:\/\/www.broellin.de\/zeit.htm\">Br\u00f6llin<\/a>, ist unter den Opfern.<\/p>\n<p>Kohn schlie\u00dft seinen Vortrag mit einer Beschreibung der ersten Begehung des Hexenturms, die im Jahre 1913 dokumentiert wurde. Hinter 2,50 m dicken Backsteinmauern, in einem acht Meter tiefen &#8222;namenlosen Schwarz&#8220; wurden die Opfer eingekerkert. Auch wurden die typischen, dem Hexenhammer gem\u00e4\u00dfen Einbuchtungen in den W\u00e4nden gefunden: Wandschrank-\u00e4hnliche Nischen, in die die Opfer an Ketten ohne Bodenber\u00fchrung gelegt wurden &#8211; so meinte man zu verhindern, dass der Teufel aus der Unterwelt (dem Boden) <em>seinen Hexen<\/em> zur Hilfe kommen kann. In Prenzlau hatte der Scharfrichter sein Haus direkt neben dem besagten Gef\u00e4ngnis- und Wachtturm, heute steht an dieser Stelle das Gerichtsgeb\u00e4ude. Weitere Flurnamen in Prenzlau weisen auf Hinrichtungst\u00e4tten hin &#8211; viele Opfer wurden direkt auf dem Marktplatz verbrannt.<\/p>\n<p>Nach einigen Exkursen \u00fcber heilkundige M\u00e4nner und Frauen, entsponnen sich erste \u00dcberlegungen, wie und wo man Originalakten zu den Prozessen in der Stadt finden und ob man nicht vielleicht auch hier eine sichtbare Form des Gedenkens finden kann.<\/p>\n<p>Ich danke herzlich f\u00fcr die eingegangenen Spenden in H\u00f6he von 28,00 \u20ac (und das obwohl die meisten Besucher des Vortrages schon an den vorhergegangenen Tagen die Themenwoche besucht haben!)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Vortrag Dominikanerkloster: Mittwoch, 15.09., 19:00, Gerhard Kohn, Prenzlau Gerhard Kohn ist als Mitarbeiter des Museums ganz dicht an Quellen und auf den Spuren der Vergangenheit \u2013 er kennt die Orte, an denen die traurigen Schicksale so vieler M\u00e4nner und Frauen in Prenzlau ihren Lauf nahmen. 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